Presseinformation
des BUND Salzgitter zum Bericht vom 01.12.2006 "Rat setzt auf Einsatz von Herbiziden"
Salzgitter, 04.12.2006
Es ist richtig, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sich in Salzgitter seit Jahren gegen den Einsatz von Herbiziden einsetzt.
Der BUND ist nicht gegen die Beseitigung von Wildkräutern, dort, wo die Verkehrssicherheit gewährleistet sein muss, jedoch für eine gesundheits- und umweltverträgliche Entfernung und daher ausdrücklich gegen den Einsatz von Herbiziden.
Der Anspruch, ein „sauberes Stadtbild“ zu erhalten, wenn nur wieder Herbizide eingesetzt werden, ist zynisch. Man kann nicht die Herstellung von Sauberkeit mit dem Einsatz von Pflanzengift gleichsetzen, denn mit dem Einsatz von Herbiziden würde unsere Stadt langanhaltend, schleichend verschmutzt. Den Schutzgütern Gesundheit und Umwelt ist immer Priorität einzuräumen.
Harmlose Herbizide, die Grundwasser, Boden, Flora und Fauna, vor allem jedoch Menschen nicht belasten, gibt es nicht.
Das Herbizid „Roundup“ gehört in die Kategorie der Totalherbizide. Alle Herbizide sind Gifte und sollen zum Abtöten pflanzlichen Lebens eingesetzt werden. Es hat negative Auswirkungen auf die Bodenfauna. Nach Untersuchungen aus den USA und Dänemark wird der Roundup-Wirkstoff Glyphosat für den Rückgang von Amphibien verantwortlich gemacht und es wurde festgestellt, dass auch der sachgemäße Einsatz von Herbiziden mit Glyphosat Grundwasser kontaminiert. Der gemessene Wert entsprach dem fünffachen des zulässigen Wertes in der Trinkwasserverordnung!
Der Einsatz von Herbiziden ist unter dem Eindruck der Verunreinigung von Teilen des Trinkwassers im November letzten Jahres für Salzgitter abzulehnen, auch wenn der Störfall eine andere Ursache hatte. Die Aufgabe unserer Generation ist es, die vorhandenen Ressourcen Luft, Boden und Wasser – besonders das Grundwasser als wichtigstes Gut – für die folgenden Generationen zu schützen und sauber zu halten. Mit der Verwendung von Herbiziden wird das Gegenteil erreicht.
Der Einsatz von Herbiziden widerspricht dem Nachhaltigkeitsgebot der Beschlüsse von Rio (1992) den die Bundesrepublik Deutschland ratifiziert hat. Er steht auch in Gegensatz zum Leitbild der salzgitterschen Agenda-Gruppen. Außerdem widerspricht er dem Pestizidreduktionsplan der Europäischen Umwelt-Agentur der EU sowie der Bundesregierung (BMU und BMGesundheit) und dem Umweltrat. Der Einsatz von Herbiziden widerspricht auch dem Entwurf des Leitbildes für die Stadt Salzgitter, der vom Rat im Frühjahr dieses Jahres verabschiedet wurde.
Um den Wünschen der Bevölkerung zu entsprechen ist nicht der Einsatz von Herbiziden erforderlich, sondern eine angemessene Aufklärung, warum Herbizide nicht verwendet werden sollten. Die Befürworter des Herbizideinsatzes im Rat sollten sich vor Augen halten, dass der Reinigungsbetrieb (SRB) mit dem Einsatz von Herbiziden eine Vorbildfunktion für die Bevölkerung hat und nun auch im privaten Bereichen vermehrt Herbizide zum Einsatz kommen würden.
Der BUND Salzgitter fordert die Damen und Herren des Rates, die die Entscheidung getragen haben, auf, den Beschluss im Sinne einer nachhaltigen Verantwortung für die Gesundheit der Menschen in unserer Stadt und für die Umwelt, zurückzunehmen.
für den BUND Salzgitter
Thomas Ohlendorf
1. Vorsitzender