Leserbrief
des BUND Salzgitter zum Bericht vom 17.02.2007
"Trinkwasser wird nicht durch Schweinemastanlage beeinträchtigt"
Salzgitter, 26.02.2007
Auch wenn der Fachdienst Gesundheit der Stadt Salzgitter die Aussage „Die Qualität des Trinkwassers wird nicht durch die geplante Schweinemastanlage in Upen belastet“, nachzulesen in der Salzgitter Zeitung vom 17. Februar in der Salzgitter Zeitung, am 20. Februar widerrief, sind einige Ergänzungen aus Sicht des BUND Salzgitter erforderlich. Wichtigster Fakt bleibt, dass sehr wohl eine Belastung des Trinkwassers zu befürchten ist.
Nach den Erfahrungen des Störfalls aus dem Herbst 2005 ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass der Landkreis Goslar als Genehmigungsbehörde die Anlage, wie beantragt, genehmigt. Man muss davon ausgehen, dass die Gülle aus dem vorgesehenen Sammelbehälter, der ein Fassungsvermögen von 1,2 Mio. Liter aufweist, im gesamten nördlichen Teil des Landkreises Goslar auf die Felder gebracht wird. Und das wiederkehrend, Jahr für Jahr. Die Lebensbedingungen der Schweine in der geplanten Anlage können als Massentierhaltung bezeichnet werden. Nur 0,85 Quadratmeter Stallfläche sind für jedes Tier vorgesehen.
Bereits im Oktober 2005 führte eine Grundwasserverunreinigung durch koliforme Keime zur Abschaltung der Brunnen von Alt Wallmoden und Baddeckenstedt. Von dort aus werden der südliche Teil Salzgitters und Teile der Landkreise Goslar, Wolfenbüttel, Peine und Hildesheim mit Trinkwasser aus dem Innerste-Karstgebiet versorgt. Das Wasser musste seinerzeit vorsorglich abgekocht werden. Die Wasserverschmutzung beeinträchtigte mehr als 30.000 Bürger. So ein Fall darf keinesfalls wieder eintreten, denn aus den Karstquellen wird jährlich etwa 9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für etwa 240.000 Menschen entnommen – es ist damit eines der größten und wertvollsten Wassergewinnungsgebiete in Niedersachsen.
Es ist im Landkreis Goslar allgemein bekannt, wie hoch die Verschmutzungsempfindlichkeit des Karst-Grundwasservorkommens in diesem Gebiet ist. Erst vor kurzem beschloss der Kreistag Goslar, kein förmliches Wasserschutzgebiet in dieser geologischen Formation auszuweisen. Im gleichen Beschluss wird betont, dass der Kreis alles in seinen Möglichkeiten stehende tun werde, um das schutzwürdige Karstwasservorkommen vor Verunreinigungen zu bewahren!
Der BUND kritisiert die Unvollständigkeit der Unterlagen der Umwelt-Vorprüfung auch aus der Sicht des Wasserschutzes. In der Vorprüfung wird unter anderem festgestellt: dass es sich um einen grundwasserfernen Standort handele. Nähere Informationen dazu würden nicht vorliegen. Weiter habe das Schutzgut Wasser am Vorhabensstandort keine besondere Bedeutung für den Naturhaushalt, weshalb erheblich nachteilige Umweltauswirkungen nicht zu erwarten seien.
Diese Aussagen sind unvollständig und unverständlich. Es ist kaum vorstellbar, dass über 20 Jahre fachliche und öffentliche Diskussion an dem Fachgutachter dieser Aussagen völlig vorbeigegangen sein sollen.
Die Politik und die Behörden haben nach Auffassung des BUND den notwendigen Wasserschutz für dieses Gebiet jahrelang vernachlässigt.
für den BUND Salzgitter
Thomas Ohlendorf
1. Vorsitzender