Leserbrief

Zum Artikel: „Schlachthof bei Celle soll aus der Region beliefert werden“ nimmt Thomas Ohlendorf vom BUND Salzgitter Stellung:

 

Wieviel Mastställe sollen tatsächlich in der Region entstehen?

Salzgitter, 11.11.2009

 

Wann kommt das Landwirtschaftsministerium endlich mit Zahlen heraus? Wieviel Geflügel- und Schweinemastanlagen sollen tatsächlich in der Region entstehen? Fragen über Fragen und keine Antworten. Selbst den gewählten Vertretern in Landtag werden die Informationen vorenthalten. Wir betroffenen Bürgerinnen und Bürger können solch ein Verhalten nicht nachvollziehen und nicht tolerieren. Alle Planungen sind öffentlich zu machen!

Wir brauchen diese Fleischfabriken nicht. Der Markt für so kreaturverachtend hergestelltes Billigfleisch ist nicht da. Die Versorgung der Bevölkerung mit Hähnchenfleisch ist in Deutschland nicht gefährdet, wenn keine neuen Fleischproduktionsfabriken gebaut werden.

Die wesentlichen Gründe für die Ablehnung liegen in der Unkontrollierbarkeit der in industriellen Massentierhaltungsanlagen entstehenden Produkte, in den nicht tiergerechten Haltungsbedingungen sowie in den ökologischen Auswirkungen und den Auswirkungen auf die Nachbarschaft. Von bäuerlicher Landwirtschaft kann keine Rede mehr sein. Massentierhaltungsanlagen stehen im Gegensatz zum Ziel einer nachhaltigen Agrarpolitik, die die Bundesregierung mit Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbänden entwickelt hat. Wie man nachhaltig gut leben kann, ohne zu verzichten, hat der BUND in mehreren Studien vorgestellt.

Die in der Hähnchenmast eingesetzten Hybrid-Masthühner sind auf maximale Gewichtszunahme gezüchtet. In Freiheit sind sie nicht länger als 12 Wochen lebensfähig. Herz-Kreislauf-System und Skelett der Hühner halten dem rasanten Wachstum der Muskulatur nicht Stand. Knochendeformationen, Bänderüberdehnungen mit andauernden Schmerzen treten auf. Die Hühner leiden. Das ist ethisch nicht vertretbar. Die Intensivtierhaltung begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten. Werden die Tiere werden nicht vorbeugend mit Arzneimitteln im Futter versorgt, ist eine erhöhte Keimzahl in der Stallabluft, insbesondere am Ende eines Mastdurchgangs zu befürchten. Werden Ställe ohne wirksamste und beste Filteranlagen für die Abluft ausgestattet, entstehen erhebliche Potenziale für Allergien und Stauberkrankungen.

 

In der Vergangenheit ist die Vogelgrippe in Niedersachsen zuerst in Massentierhaltungsanlagen aufgetreten. Die dann vorbeugende Tötung zigtausender Tiere ist aus Sicht des BUND eine schlimme Konsequenz falscher Agrarpraxis.

 

Zur Deckung des Einweißbedarfs des Mastgeflügels wird überwiegend Sojaschrot eingesetzt, welches zumeist in Mittelamerika erzeugt wird. Es ist zu befürchten, dass dabei nicht konsequent auf gentechnikfreie Futtermittel geachtet und damit die Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen begünstigt wird, denn noch immer muss die Fütterung von Tieren mit gentechnisch veränderten Futtermitteln auf dem erzeugten Fleisch nicht gekennzeichnet werden.

 

Ländliche und landschaftstypische Strukturen würden durch die Vielzahl der geplanten Ställe zerstört. Durch den Verzicht auf die Errichtung industrieller Mastanlagen kann den Tieren, der Umwelt und der Gesundheit der Menschen geholfen und der Frieden in den Gemeinden erhalten werden.