Jahresbericht 2005/2006
BUND Salzgitter
Jahresbericht 2005/6
Berichtszeitraum: 19.11.2005 – 15.10.2006
(20. JV der KG-Salzgitter)
Thomas Ohlendorf, Vorsitzender
1. Allgemeines
Unsere letzte Jahresversammlung hatten wir am 19.11.2005.
Ich danke den Mitarbeitern der EFB im Namen des BUND Salzgitter, dass wir auch in diesem Jahr – zum fünften Mal in Folge - Gast in diesen Räumen sein dürfen.
Bevor ich den Jahresbericht gebe, möchte ich auf eine Initiative unseres Bundesverbandes zusammen mit vielen anderen Umweltverbänden zum Thema „Atomausstieg“ hinweisen:
Jetzt den Stromanbieter wechseln! … und Atomstrom „unverkäuflich“ machen
Berlin 09.10.2006:
Das Aktionsbündnis „Atomausstieg selber machen!“ warb beim Energiegipfel (der in der vorletzten Woche bei Bundeskanzelerin Merkel stattfand) dafür, von den Atomstromkonzernen RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW zu Ökostrom-Händlern zu wechseln.
Der Atomausstieg in Deutschland kann nur aus der Gesellschaft heraus unumkehrbar gemacht werden. Das ist die Lehre aus der faktischen Aufkündigung der Atomkonsensvereinbarung durch die dominierenden Energiekonzerne. Darauf hat die Initiative „Atomausstieg selber machen“ anlässlich des Energiegipfels in Berlin hingewiesen. Das von Umweltverbänden, Verbraucherschutzorganisationen und Anti-Atomkraft-Initiativen nach dem Antrag auf Laufzeitverlängerung für den ältesten deutschen Atomreaktor Biblis A gegründete Aktionsbündnis wirbt dafür, die Vertragsbeziehungen zu den Atomstromproduzenten und ihren Tochterunternehmen aufzukündigen und zu Anbietern von Ökostrom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse zu wechseln.
„Kein privater Haushalt, kein Gewerbetrieb und kein Unternehmen ist in Deutschland gezwungen, Atomstrom zu kaufen“, werben die Initiatoren für ihre Idee des „gesellschaftlichen Atomausstiegs“. Wenn sich die seit zwanzig Jahren mehrheitlich atomkraftkritischen Deutschen in großer Zahl von den Atomkraftproduzenten abwenden, werde „Atomstrom ein schwer verkäufliches Gut.“ Damit könnten die Menschen direkt Einfluss nehmen auf die Geschäftspolitik der Konzerne. „Ein Unternehmer, der seine Ware wegen der Art, wie sie produziert wird, immer schlechter absetzen kann, wird die Produktionsmethode ändern. “Dieser Effekt werde auch bei den Atomkonzernen eintreten.
Den dominierenden Energiekonzernen warf das Aktionsbündnis „Wortbruch und Scheinheiligkeit“ vor. In der Atomkonsensvereinbarung hätten sich ihre höchsten Repräsentanten vor wenigen Jahren verpflichtet, den dort festgelegten Ausstiegsfahrplan „dauerhaft“ umzusetzen. Nun wollten sie davon nichts mehr wissen und planten den Wiedereinstieg mit Hilfe juristischer Winkelzüge und Unterstützung der Atomkraft-Ideologen aus Union und FDP.
Scheinheilig sei die ständige Forderung der Konzerne nach verlässlichen energiepolitischen Rahmenbedingungen, wenn gleichzeitig die beiden in den vergangenen Legislaturperioden rechtlich auf mindestens zwanzig Jahre fixierten Rahmengesetze über den Atomausstieg und den Ausbau der Erneuerbaren Energien tagtäglich von denselben Unternehmen bis aufs Messer bekämpft werden.
Bundeskanzlerin Merkel müsse sich fragen, ob es sinnvoll sei, Manager zum Palaver über die Energiezukunft zu laden, die schriftliche Vereinbarungen wie den Atomkonsens ohne Zögern brechen, sobald sich die Chance dazu eröffnet. Mit den obersten Platzhirschen über mehr Markt in der Energiewirtschaft zu verhandeln, sei so viel versprechend wie eine Diskussion mit der Metzgerinnung über die Einführung des Vegetariertums.
Im Bündnis „Atomausstieg selber machen!“ haben sich, koordiniert von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), bisher neun Organisationen zusammengeschlossen: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bund der Energieverbraucher, der Deutsche Naturschutzring (DNR), Greenpeace, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Deutsche Sektion der IPPNW, Robin Wood und X-tausendmal quer.
Die Initiatoren empfehlen vier Ökostrom-Unternehmen – die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace energy, Lichtblick und Naturstrom - als atomstromfreie Versorger.
2. Formales
Drei Anträge sind zur heutigen Jahresversammlung eingegangen.
Ich berichte heute für den Vorstand über einen Zeitraum von 12 Monaten und beginne mit dem Problem, das uns das gesamte Berichtsjahr über beschäftigt hat und die meiste Zeit unserer Aktivitäten in Anspruch nahm:
3. Trinkwasserverunreinigung in Salzgitter
Zur Erinnerung: Am späten Sonnabend des 22. Oktober 2005 erfuhren wir über Rundfunk von der Verunreinigung des Trinkwassers im Süden unserer Stadt. Nähere Informationen standen erst zwei Tage später. über die lokale Presse zur Verfügung. Im Trinkwasser aus dem Brunnen Alt-Wallmoden, Lkr. Goslar, waren coliforme Keime über den zulässigen Grenzwerten nachgewiesen worden. Über Rundfunkberichte wurde die Bevölkerung aufgefordert, das Wasser zum Trinken und zur Nahrungszubereitung immer mindestens 10 Minuten abzukochen.
Nach Abstimmung im Vorstand stellten wir deshalb am 31.10.2005 bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig Strafantrag gegen Unbekannt. Diese recherchierte und teilte uns Ende Januar mit, dass das Verfahren eingestellt werden würde, weil der Verursacher nicht ermittelt werden könne. Wir hatten allerdings zuvor Hinweise darüber erhalten, wie es zu der Wasserverunreinigung gekommen sein könnte.
Ebenfalls im Januar hielt der Betreiber der Brunnen, die Salzgitter Flachstahl GmbH zusammen mit der Stadt und der WEVG eine Pressekonferenz ab. Dort und in der folgenden gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Öffentliche Ordnung und Stadtplanung, Umwelt und Bau erläuterte die Flachstahl GmbH die Entstehung und die möglichen Ursachen aus ihrer Sicht. Auch sie kamen zu der von uns geteilten Auffassung, dass die Verunreinigung durch oberflächlichen Eintrag von Fäkalien aus Geflügeltrockenkot stammen könnte.
Ein Beweis gestaltete sich als schwierig. Da die Stadt Goslar noch die Theorie einbrachte, dass die Verunreinigungen auch durch eine unterirdische Verwerfung im Kalkkarst entstanden sein könnte. So war die erstgenannte Vermutung nicht gerichtsfest und die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin das Verfahren ein.
Wir kamen mit unseren Kollegen aus Goslar zu der Auffassung, dass nur politischer Druck dazu führen würde, ein Wasserschutzgebiet auszuweisen um die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Verunreinigung so gering wie möglich zu halten.
So formulierten wir einen Text für eine Unterschriftenaktion, in der ein
Wasserschutzgebiet gefordert wurde.
Um eine breite Basis für den Widerstand zu erhalten, suchten wir Verbündete für die Aktion. Dabei arbeiteten wir eng mit dem Naturschutzbund zusammen. Außerdem gelang es uns, insgesamt 16 Vereinigungen, ganz unterschiedlicher Art zur „Aktion Pro Wasserschutz Vorharz“ zusammenzuführen. Die Federführung lag immer bei uns. Neben den BUND-und Naturschutzbund-Gruppen aus der Region unterstützten uns die Awo, der Kinderschutzbund, Agenda-Gruppen aus SZ und GS, BI’s aus GS, das Umweltschutzforum Schacht Konrad, SOS-Mütterzentrum Salzgitter Bad und die Propstei Lebenstedt.
Viele Aktive sammelten wochenlang Unterschriften und gaben unsere Argumente für ein Wasserschutzgebiet weiter.
Insgesamt erreichten uns 1.612 Unterschriften (Stand: 21.09.2006), davon 999 aus Salzgitter.
Diese Unterschriften überreichten wir am 21. September dem Landrat für den LK Goslar, Peter Kopischke und unserem OB Helmut Knebel mit unseren Forderungen. Kopischke machte uns wenig Hoffnungen auf die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes und betonte, dass es genügend anderes Wasser gibt, welches nicht so schwierig zu schützen sei.
Der Schutz der Ressource Wasser ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. Wir lassen uns durch die wenig optimistische Aussage des alten goslarer Landrates nicht entmutigen und wissen, dass wieder ein langer Weg zur Erreichung unseres Zieles vor uns liegt. Wir werden nach einem Beschluss unseres Vorstandes noch stärker als bisher den politischen Weg beschreiten.
4. Herbizide
Auch der Einsatz von Herbiziden in Salzgitter ist ein Dauerthema. Nachdem der Rat in 2004 den Einsatz von Herbiziden zu Bekämpfung von Wildkräutern mehrheitlich abgelehnt hat, stellte die FPD-Ratsfraktion am 01.12.2005 erneut folgenden Antrag im VA und im Rat: „Der Einsatz von Herbiziden zur Sicherstellung effektiver Arbeit in der Grünpflege im Kampf gegen Wildkräuter ist zu gestatten.“
Die Verwaltung lud deshalb auf Anregung der SPD-Ratsfraktion zwei Experten und den Vertreter der Firma Roto-Fix, die die Stadt früher mit Herbiziden belieferte, zu einer Fachdiskussion folgender Ausschüsse ein: Werksausschuss SRB, Ausschuss für Feuerwehr und öffentliche Ordnung sowie Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Bau. Termin: 22. Februar 2006.
Als Expertin wurde eine Biologin vom Pestizid Aktions Netzwerk (PAN) aus Hamburg als Kontra-Position und eine Vertreterin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz aus Braunschweig als Pro-Position eingeladen. Zuvor hatten wir die Gelegenheit, unsere umfassende Position zur Ablehnung von Herbiziden in 15 Punkten ausführlich darzustellen (die Punkte sind in der Geschäftsstelle zu bekommen). Wir hatten zu Beginn der Sitzung eine Zusammenstellung von Gegenargumenten an die anwesenden Ausschussmitglieder zur Information verteilt.
Die Ausschüsse fassten keine unmittelbare Entscheidung sondern berieten in den Fraktionen. Die SPD-Fraktion als Ratsmehrheit fand nach intensiver Diskussion eine Position gegen den Einsatz von Herbiziden – obwohl der amtierende Oberbürgermeister für den Einsatz warb. Der Rat lehnte den Einsatz von Herbiziden im März ab.
Wir werden gespannt darauf sein, wie sich der gewählte Oberbürgermeister verhält.
Besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle an Herrn Ingolf Spickschen aussprechen, der durch seine Erfahrung und sein Engagement unsere Position wesentlich mitbestimmt hat.
5. Korksammlung/Klimaschutz
Wie in den vergangenen Jahren, so gilt auch heute: ……….
wir sammeln noch immer Korken!
In diesem Jahr können wir allerdings tätsächlich eine Erfolgsmeldung abgeben. Nach den Querelen in 2005 mit dem Korkgranulat in der TG-Halle ist das Material (12 Kubikmeter) am 23. Mai dieses Jahres zur Wärmedämmung in den Fußboden der Jugendfreizeitstätte in Lichtenberg eingebaut worden.
Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz bei dieser Baumaßnahme. Und ich finde, dass wir noch viele Beiträge zum Klimaschutz leisten sollten indem wir weiter Korken sammeln und für Baumaßnahmen zur Verfügung stellen.
Wer Korken erwerben möchte für eine private Baumaßnahme kann beim BUND Salzgitter anfragen.
Auch wir als Kreisverband werden künftig noch stärker als bisher das Thema Klimaschutz und Klimawandel bearbeiten und in die Öffentlichkeit bringen, denn Klimaschutz ist die Heraus-forderung des 21. Jahrhunderts.
Der Klimawandel ist inzwischen überall spürbar: Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme nehmen drastisch zu. Es ist höchste Zeit zu handeln.
Zum Thema Klimaschutz eine aktuelle Presseinformation unseres Bundesverbandes:
Hauptaufgabe für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 sollte nach Auffassung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Durchsetzung eines zukunftsweisenden europäischen Energiekonzepts sein. Ein solches Konzept müsse ein CO2-Minderungsziel für den Zeitraum nach 2012 von mindestens 30 Prozent bis 2020 enthalten. Die Steigerung der Energieeffizienz und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien im Strom- und im Wärmesektor müssten als wesentliche Punkte im Aktionsplan verankert werden. Auch müsse die Trennung von Stromerzeugung und Stromnetzen in der EU von der deutschen Ratspräsidentschaft vorangetrieben werden, um mehr Wettbewerb im Energiesektor zu schaffen.
Viel stärker als bisher müssten die Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden. Dazu gehöre beispielsweise der Verlust der Artenvielfalt. Deutschland und die EU hätten sich dazu verpflichtet, das Artensterben bis 2010 zu stoppen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Bundesregierung eine stringente Umsetzung bestehender Naturschutzgesetze wie der Flora-Fauna-Habitat- und der Vogelschutzrichtlinie durchsetzen.
Entscheidend für eine Steigerung der Energieeffizienz ist nach Ansicht des BUND die Verbrauchsreduzierung im Verkehr. Die Bundesregierung müsse sich für eine EU-Regelung zur Halbierung des CO2-Ausstoßes und damit des Kraftstoffverbrauchs innerhalb von zehn Jahren einsetzen. Von heute 160 Gramm pro Kilometer und Fahrzeug müsste der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen auf 80 Gramm pro Kilometer gesenkt werden. Damit würden jährlich etwa 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart.
Als Leitfaden für die Automobilindustrie hat der BUND ein sog. „Klimafahrtenbuch für Pkw“ mit dem Titel ‚Halbierung der CO2-Emissionen der PKW bis 2020. Ein Dreistufenplan des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)’.herausgegeben (kann eingesehen werden).
Auf der Homepage des BUND finden Sie viele Informationen zum Thema Klimaschutz; besonders empfehlen möchte ich die ‚Klimaschutz-Tip’s’ mit Anregungen für jedermann zum Mitmachen.
6. Schacht Konrad
Während einer Informations-veranstaltung am 13. September im Gewerkschaftshaus berichteten die Anwältin des Klagefonds, Frau Rülle-Hengestbach und der Rechtsdezernent der Stadt Salzgitter über den Stand bzw. den Fortgang des Verfahrens. Beide Parteien haben Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision gegen das Urteil des OVG Lüneburg eingelegt. Darüber wird das Bundesverwaltungsgericht wahrscheinlich innerhalb des nächsten halben Jahres entscheiden.
Eine Zulassung der Revision ist die Voraussetzung, um letztendlich vor dem Verfassungsgericht klagen zu können. Zur Finanzierung des Rechtsweges sind weiter Spenden an den Rechtshilfefonds Schacht Konrad erforderlich.
Wie sich der neu gewählte Oberbürgermeister zum Verfahren Schacht Konrad verhalten wird, ist noch nicht erkennbar. Es gilt der Ratsbeschluss aus der vergangenen Legislaturperiode .
7. Tomatenpflanzentauschbörse
Der Vorstand beschloss, die in 2004 erfolgreich gestartete Tomatenpflanzentauschbörse – in Zusammenarbeit mit dem VEN Verein zur Erhaltung der Nutzartenvielfalt e.V., in 2006 zu wiederholen.
Unter dem Titel „Erhaltung der Biodiversität von Nutzpflanzen am Beispiel alter regionaler Tomatensorten und Gartenkulturpflanzen“ in Salzgitter wurde erneut ein Antrag zur Förderung bei BINGO-Lotto gestellt – und bewilligt.
Vor der Durchführung der Aktion waren umfangreiche Planungen und Vorarbeiten erforderlich:
- Planung des Termins
- Genehmigung durch die Stadt
- Antragstellungen an BINGO-Lotto zur Übernahme der Kosten
- Aussuchen der Tomatenpflanzen
- Aussaaten, Pikieren und Umpflanzen
- Pflanzenbetreuung
- Vorbereitung der Pflanzenbörse
- Erweiterung um Gartenpflanzen und –stauden und Teichpflanzen
- Organisation der Durchführung der Tauschbörse in Gebhardshagen mit Verköstigung und Info-Stand
Es wurden ca. 30 verschiedene Tomatensorten und insgesamt ca. 1.000 Tomatenpflanzen angeboten. Dazu kamen, wie schon erwähnt, weitere Nutzpflanzen für Garten und Wasserpflanzen für den Teich. Viele dieser Pflanzen wurden von Mitgliedern der Kreisgruppe gespendet. Dafür und für die umfangreiche Unterstützung danke ich allen Beteiligten, besonders unserer stellvertretenden Vorsitzenden, die für die Aussaat und Aufzucht der Tomatenpflanzen viel Zeit und Energie eingesetzt hat.
Die Presseankündigung für diese Aktion war sehr ungünstig und der Text nur unvollständig wiedergegeben. Obwohl wir rechtzeitig eine umfangreiche Presseinformation mit Foto an die Lokalpresse gegeben hatten.
Das führte dazu, dass die Tauschbörse in Gebhardshagen nicht so gut besucht wurde wie im Vorjahr.
Wir hatten deshalb spontan entschieden, einen weiteren Tauschtermin für den folgenden Freitag durchzuführen. So boten wir die Pflanzen nochmals an unserer Geschäftsstelle, auf dem Ries-Hof in Berel und im BIO-Treff in Salzgitter Bad an.
Diesmal klappte es mit der Presseankündigung. Wir schalteten zusätzlich eine Anzeige in einem Anzeigenblatt.
Diese zweite Aktion war ein voller Erfolg und wir konnten bis auf wenige Pflanzen alle Tomaten und Gartennutzpflanzen gegen eine Spende abgeben.
Nun noch eine Begebenheit im Vorfeld der Pflanzenbörse: Wir beantragten bereits am 13.12.2005 die Nutzung des Burghofes beim Eigenbetrieb GEL der Stadt. Von dort bekamen wir nach mehr als drei Monaten – am 31.03.2006 - ein Schreiben, dass vor der Nutzung des Geländes ein Nutzungsvertrag abzuschließen sei. Dazu waren auch Bedingungen zu erfüllen:
- Leistung einer Kaution in Höhe von 500 Euro
- Vorlage eines Brandschutzkonzeptes und Stellung einer Brandwache in Abstimmung mit der Feuerwehr
- Vorlage einer Haftpflichtversicherung
- Vorlage einer Gestattung nach § 12 des Gaststättengesetz
- Zahlung eines Nutzungsentgeldes in Höhe von 51,13 Euro
Wir haben dann mit der GEL verhandelt und konnten auf die Kaution verzichten. In Abstimmung mit der Feuerwehr brauchten wir auch kein Schutzkonzept und keine Brandwache. Eine Haftpflichtversiche-rung konnten wir über den LV vorlegen.
Die GEL würde auf die Zahlung der 51,13 Euro verzichten, wenn wir eine gemeinnützige Tätigkeit für den Förderverein der Burg Gebhardshagen vornehmen würden.
So einigten wir uns darauf, auf dem Burggelände mit dem Förderverein und anderen in einer vorbereiteten Aktion Bäume und Büsche zu pflanzen. Als wir absprachegemäß dann am 18. Mai mit vier Personen zum Pflanzen erschienen, war neben dem Vorsitzenden des Fördervereins nur noch ein weiterer Helfer anwesend.
So pflanzten wir fast allein vier große Rotdornbäume und hatten unseren Anteil, der meines Erachtens nach viel höher als 51,13 Euro war, mehr als abgearbeitet.
Ein neuer Termin für die nächste Börse steht schon fest: 05. Mai 2007.
8. Abfall
Das Thema „EBS-Kraftwerk Heerte“ war ja eigentlich schon erledigt. Ich hatte im vorigen Jahr darüber berichtet, dass der Investor insolvent sei und das Verfahren ruht.
Ich hatte auch davon berichtet, dass wir im Vorfeld auf erhebliche Sicherheitsmängel beim Brandschutz hingewiesen hatten.
Leider hat uns die Realität eingeholt: in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 2006 brannten in der Lagerhalle in der ehemaligen Gießerei dreitausend Kubikmeter lose für die Verbrennung in Müllverbrennungsanlagen gelagerter Mischmüll.
Bei der Brandbekämpfung trat tatsächlich das ein, was Kritiker 2004, im Vorfeld, während der Diskussionen in Heerte, befürchtet hatten: die Löschwassermenge war zunächst nicht ausreichend.
Nach dem beim Großbrand, 2005 in Groß-Mahner, mit seinem Gift-Cocktail die Rauchgase nach Westen zogen und kontaminiertes Löschwasser in die Warne floss, zogen die höchst giftige Rauchgase diesmal über Teile des nördlichen und nordwestlichen Salzgitter bis nach Lehrte bei Hannover.
Wir nahmen den Brand zum Anlass, im Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Bau zwei Tage später folgende Eil-Anfrage zu stellen:
- liegt für die Lagerung von Abfällen in der ehemaligen Gießerei Heerte eine Genehmigung vor?
- waren die Abfälle in der ehemaligen Gießerei ordnungsgemäß gelagert?
- wie hoch war die gelagerte Abfallmenge?
- um welche Art Abfälle handelte es sich?
- sind auch andere Vorräte (z.B. Dünger) in der ehemaligen Gießerei gelagert worden?
- liegt dafür eine Genehmigung vor?
- mit welchem Löschmittel wurde der Brand bekämpft?
- ist die Löschwasserversorgung ausreichend gewesen?
- welche Mengen von möglicherweise kontaminiertem Löschwasser sind entstanden und wohin wurden diese abgeleitet?
- welche weiteren Löschmittel wurden eingesetzt?
- bestand bei dem Einsatz Gefahr für Leib und Leben der eingesetzten Feuerwehrmänner?
- welche Ergebnisse (Inhalte) haben die Messungen des Rauchgases durch die Feuerwehr ergeben?
- ist mit Folgeschäden für Boden und Grund-wasser zu rechnen?
Während der Sitzung des Ausschusses berichtete die Verwaltung auf unseren Antrag hin darüber, dass für die Lagerung der Abfälle keine Genehmigung vorlag. Der Müll war illegal gelagert. Wir hatten mit unserer Vermutung/Befürchtung leider Recht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelte. Wir haben über den weiteren Fortgang des Verfahrens bisher nichts mehr gehört.
9. Lokale Agenda 21
Wir vom BUND waren in den Lokalen Agenda-Prozeß mit einigen Mitgliedern von Beginn an in der AG 1 „Stadt-und Siedlungsentwicklung“ beteiligt und eingebunden. Nachdem “Leitbilder” erarbeitet wurden, haben sich die Arbeitsgruppen inzwischen aufgelöst.
Auf einer Sitzung am 11. Juli, an der für den BUND unsere Schatzmeisterin teilnahm, ist die Satzung des Förderverein verteilt worden. Eine Gründungsversammlung soll noch in diesem Herbst stattfinden. Der BUND-Salzgitter wird dem Verein beitreten.
10. Altenhagen
Auch in diesem Jahr konnten wir durch die Zusammenarbeit mit dem Oskar-Kämmer-Sozialwerk zwei sogenannte „Hartz IV“-Kräfte auf unserem Pachtgelände in Altenhagen einsetzen. Die personelle Maßnahme läuft noch bis Anfang Dezember. Grundlage war das im vorigen Jahr erstellte Pflege- und Entwicklungskonzept.
Das Gelände wurde von den beiden Kräften mit den vorhandenen Geräten gemäht und die Hecken geschnitten.
Viele von uns konnten sich am 14. Oktober – als wir auf dem Gelände zum Freiluftabschluss zur Apfelernte zusammenkamen – davon überzeugen, wie gut es dort inzwischen wieder aussieht.
Im Laufe des Winters sollen noch die Obstbäume beschnitten werden und die Restarbeiten am Haus durch Mitglieder durchgeführt werden. Auch dafür werden noch Aktive gebraucht, die sich in der Geschäftsstelle melden können.
11 . Steinbruch Salder
Der in Salzgitter-Salder gelegene Kalksteinbruch mit einer Gesamtgröße von 22,9 ha ist von den FELS-Werken Goslar im März 2005 an die Stiftung Naturlandschaft des BUND Landesverbandes Niedersachsen e.V. verkauft worden.
Bestandteil dieses Grundstückskomplexes ist auch der von Salder in den Steinbruch führende, asphaltierte Weg.
Das Gelände soll unter definierten Voraussetzungen so gestaltet werden, dass für die Bevölkerung eine Möglichkeit des Naturerlebens geschaffen wird. Am Konzept arbeitet zur Zeit FEMO in Königslutter.
Der Steinbruch als bedeutsames Geotop und teilweiser Typus-Lokalität soll in das Gesamtkonzept des GeoParks Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen eingebunden werden.
Für den BUND Salzgitter bieten sich mit dem Gelände neue Möglichkeiten in der Naturschutz- und Umweltbildungsarbeit.
Die Kreisgruppe ist gleichzeitig Ansprechpartner für die Naturschutzbehörden und andere öffentliche Einrichtungen.
Es ist geplant, noch in diesem Herbst die seitlichen Zugänge in das Gelände durch Pflanzen von Dornenbüschen und Anlagen von Benjeshecken zu sichern.
Es kommen also neue Aufgaben auf die Kreisgruppe zu. Dafür werden Aktive gesucht. Neue Mitglieder sollten dafür geworben werden.
12. Verfahrensbeteiligungen
Wir werden als sogenannter § 29 Verband an den Planungen, wie Träger öffentlicher Belange, beteiligt. Wenn wir Einfluss auf die umwelt- und naturschutzmäßigen Auswirkungen von Planungen und den daraus resultierenden Baumaßnahmen nehmen wollen, müssen wir uns an den Verfahren beteiligen.
Wir haben das im Berichtsjahr mehrfach getan und umfangreiche Stellungnahmen zu folgenden Vorhaben abgegeben, u.a.:
- Landschaftsschutzgebiet „Salzgitterscher Höhenzug“ (Einsberg)
- Errichtung und Betrieb einer Abwasserbehandlungsanlage im Industriegebiet in Salzgitter-Beddingen
- Beantragung für die Erteilung einer Genehmigung gemäß §§ 4 und 10 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für die Firma Welfenring GmbH + Co. KG für die Errichtung einer Kartrennstrecke mit Nebenanlagen in der Gemarkung Beddingen
Eine Anmerkung möchte ich noch zur Herausnahme des Landschaftsschutzgebietes „Einsberg“ bei Gebhardshagen machen: gegen die Auffassung des Fachdienstes Umwelt, gegen den eindringlichen Rat des Naturschutzbeauftragten und der Umweltverbände, der Grünen und der CDU im Rat, hat die Mehrheitsfraktion beschlossen, die vorgenannten Gebiete aus dem Landschaftsschutz zu entlassen und einer Bebauung zuzuführen. Und das, obwohl kein Bedarf an zusätzlichem Bauland besteht. Wir haben unsere Ablehnung im Umweltausschuss zum Ausdruck gebracht.
Dieses Vorgehen ist ein Beispiel dafür, wie sich Interessenpolitik über den Bürgerwillen hinwegsetzt und somit Politikverdrossenheit erzeugt wird.
13. Sammlung Deutsche Umwelthilfe
Zur Haus- und Straßensammlung der Deutschen Umwelthilfe im Frühjahr 2006 betreuten 5 Schulen in Salzgitter und der Umgebung Salzgitters (Realschule Amselstieg, "Gottfried-Linke"-Realschule, alle Salzgitter-Lebenstedt und Realschule Gebhardshagen, und Gymnasium im Schloß, Wolfenbüttel sowie Realschule Vechelde)
Nach Abschluß aller Aktivitäten konnten wir 524,99 Euro an den Landesverband der Umwelthilfe in Hannover überweisen. Leider erzielten wir nicht so ein gutes Ergebnis wie in den Vorjahren.
Dafür ein herzlicher Dank an alle Sammlerinnen und Sammler und alle Unterstützer der Umwelthilfe.
14. Mitgliederentwicklung
Die Anzahl der Mitglieder und Förderer nahm in der Zeit von 01.11.2005 – 15.10.2006 per Saldo um 2 auf 170 zu.
15. Finanzen, Zuschüsse, Spenden
Auch in 2006 haben wir erneut einen Antrag auf Förderung unserer Tomatenpflanzentauschbörse bei BINGO-Lotto gestellt und bekamen 1.300 Euro Förderung für die Erhaltung der Biodiversität am Beispiel alter Tomatenpflanzen und Gartenkulturpflanzen.
Von der Stadt Salzgitter erhielten wir eine Zuwendung in Höhe von 2.475,50 Euro für 2006. Mit diesen projektbezogenen Mitteln konnten wir den Geschäftsbetrieb finanzieren.
Die anteiligen Mitgliedsbeiträge allein reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.
Ich appelliere – wie in den Vorjahren - von dieser Stelle aus erneut an Politiker, Unternehmen und Mitbürger, die Arbeit der Umweltverbände durch Zuschüsse, Spenden und Mitgliedschaft nachhaltig zu unterstützen um eine kontinuierliche Arbeit sicherzustellen.
16. Sonstiges
Im Berichtszeitraum traf sich der Vorstand zu 5 Sitzungen in unserer Kreisgeschäftsstelle. An der Sitzung im Mai nahmen auch unsere Beiräte teil.
Die Kassenprüfung für das Geschäftsjahr 2005 fand am 13. März 2006 in unserer Geschäftsstelle statt. Unser Jahresabschluss wurde auch vom Umweltamt der Stadt Salzgitter wegen der überlassenen Zuwendung geprüft; es haben sich keine Beanstandungen ergeben. Dr Kassenbericht ist in der Geschäftsstelle einzusehen.
Als Delegierte nahm Fritz Wittfoot am 22. April an der Jahresvertreterversammlung des BUND-Landesverbandes in Hannover teil.
Als hinzugewählter Vertreter unseres Verbandes nahm ich im Berichtszeitraum an neun Sitzungen des Ausschusses für Umwelt, Stadtplanung und Bau teil. Wir stellten u.a. Anfragen zu:
- Herbizideinsatz in Salzgitter
- Auswirkungen des Großbrandes in Heerte
- Störfall in der Trinkwasserversorgung aus Oktober 2005
Unsere Initiative aus 2004 und 2005 zur Errichtung von Solarstromanlagen auf städtischen Dächern kommt nun in Gang. Auf dem Dach des früheren Polizeigebäudes wird die Firma Helios aus Salzgitter in Kürze eine 18 KW-Anlage errichten. Es fehlen noch Investoren, nachdem ein Investor seine Zusage nicht eingehalten hat. Sie alle können sich beteiligen. Aber möglichst noch in diesem Jahr, solange die Förderbeträge so hoch sind.
- wir sind seit Kurzem mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten, die gerade aufgebaut und vervollständigt wird: www.bund-salzgitter.net
- im Frühjahr dieses Jahres war ein Anrufer aus Potsdam auf unserem Anrufbeantworter. Ein Rückruf ergab folgenden Sachverhalt: ein älterer Herr aus Postdam ist seit 25 Jahren Eigentümer eines circa 4.500 Quadratmeter großen Wald/Naturgrundstücks in Werlaburgdorf. Wegen seines fortgeschrittenen Lebensalters will er sein Grundstück mit dem darauf befindlichen Holz-Blockhaus verschenken. Für eine Pflege in seinem Sinne kommen Umwelt- und Naturschutzverbände in Frage.
Nach mehreren intensiven Telefonaten fuhren wir am 29. April nach Werlaburgdorf um uns das Grundstück anzusehen. Während des Gespräches mit dem Eigentümer machten wir den Vorschlag, das Grundstück der BUND Stiftung Naturlandschaft zu überlassen. Auf unsere Vermittlung hin trafen sich der Eigentümer und Kalle Weber als Vorsitzender der Stiftung um Einzelheiten zu besprechen. Aktueller Stand: in den nächsten Tagen wird der Schenkungsvertrag unterzeichnet.
Bürodienst in Verbindung mit Beratung in Naturschutz- und Umweltfragen fand regelmäßig und nach Bedarf in unserer Geschäftsstelle statt.
Gesprächs- und Ortstermine zum Umwelt- und Naturschutz wurden von den Mitgliedern und dem Vorstand wahrgenommen.
Unser „Winterabend“ zum Abschluß des Jahres fand wie immer am letzten Montag im November in unserer Geschäftsstelle statt.
Es gab von den Teilnehmern mitgebrachte Gerichte zu essen. Es war wie in den Vorjahren recht gemütlich und ein schöner Ausklang des Arbeitsjahres Der nächste Winterabend findet am 27.11.2006, 19.00 Uhr statt.